Sprechen Sie noch über Ihre Mitarbeiter? Oder schon mit Ihnen?

Wir können es gar nicht oft genug sagen: liebe Führungskräfte und Unternehmensleitungen, bindet Eure Mitarbeiter ein. Wann immer und wo immer es geht. Im Großen, wie im Kleinen. Lasst sie teilhaben und macht sie so zu Mitmachern und Mitdenkern. Und weil wir des Überzeugens nicht müde werden, erzählen wir hier eine Geschichte aus dem Alltag eines mittelständischen Unternehmens. Sie könnte sich ungefähr so auch in Ihrer Nachbarschaft zugetragen haben.


Ein sehr ambitionierter Geschäftsführer eines mittelständischen Autohauses mit Werkstatt möchte für seine Mitarbeiter ein Fitnessstudio einrichten lassen. Er ist sogar bereit, dafür die Öffnungszeiten für die Mitarbeiter anzupassen, so kann sich der Mitarbeiter vor oder nach der Arbeitszeit sportlich austoben.

Die Motive sind hehr.

Unser Unternehmer ist voll motiviert und fest entschlossen, seinen Mitarbeitern etwas Gutes tun zu wollen:

– Gesundheitsvorsorge für einen körperlich anstrengenden Beruf.
– zusätzlicher Benefit für die Jungs und Mädchen, die sich ein eigenes Fitnessabo sparen können.
– Zeitersparnis für die MitarbeiterInnen, weil sie sich lästige Anfahrten sparen können.
– Zusätzlicher Anreiz für neue Mitarbeiter, denn unser Unternehmer möchte wachsen.

Da ist aber noch mehr.

Daneben gibt es noch weitere positive Effekte, die unserem Unternehmer nicht sofort bewusst sind:

– Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen.
– Zeitlich und emotional. 
– Positive Beeinflussung des Arbeitsklimas.
– Langfristige Verringerung des Krankenstandes.
– Positive Auswirkungen auf das Arbeitgeberimage. 
– Abhebung vom Wettbewerb.

Die eine Seite der Medaille.

Die Entscheidung ist getroffen, die Vorfreude bei unserem Unternehmer groß: „Ich möchte meinen Mitarbeitern etwas Gutes tun. Ich hoffe sehr, meine Leute freuen sich über das Fitnessstudio genauso wie ich.“

Die Räume werden geplant und ausgestattet und mit Pauken und Trompeten eingeweiht. Die ersten 6 Monate gehen ins Land. Das Fitnessstudio wird so gut wie nie genutzt. Und unser Unternehmer ist angefressen. „Jetzt tue ich so viel für die Verbesserung des Arbeitsklimas, für die Gesundheit meiner Leute. Und sie wissen es überhaupt nicht wertzuschätzen. Ich bin frustriert.“

Das ist verständlich, oder? Solche oder ähnliche Aussagen hören wir zuhauf. Um nicht zu sagen: Das ist Standard. Schauen wir uns die Geschichte aber einmal von der anderen Seite der Medaille an: Aus der Sicht von Markus, dem KfZ-Mechatroniker, der seit 3 Jahren an Bord ist.

Mitarbeiter als Markenbotschafter Employer Branding Antje Apitz Cake Consulting

Die andere Seite der Medaille.

Markus hat immer vom Fitti geschwärmt und ist gerne sportlich aktiv. Aber er hat ein Abo in seinem Lieblings-Fitti. Ist 4-mal die Woche dort und kennt die Leute dort sehr gut. Für ihn ist es wie eine zweite Familie. Er weiß, dass es seit Neuestem einen Fitnessraum im Autohaus gibt. Er war auch schon einmal dort, aber trainiert hat er noch nicht. Seinen Kumpels zuhause erzählt er davon und alle sind ziemlich begeistert. Aber sein Abo läuft noch bis Ende des Jahres. Außerdem ist er eher der Krafttrainierende als der Laufband-Hopser. Also war er seitdem kein weiteres Mal dort.

Das ist auch nachvollziehbar, nicht wahr?

Es kommt zur Konfrontation.

Im besten Falle spricht unser Unternehmer nun seine Mitarbeiter darauf an und fragt, warum sie das Fitnessstudio nicht nutzen. Er ist aufgebracht und formuliert sehr emotional so etwas wie: „Jetzt gebe ich so viel. Wissen Sie eigentlich, wieviel das gekostet hat? Ich finde das sehr schade, dass Sie nicht wertschätzen, was ich mit dem Fitnessraum für Sie tun wollte. Dann kann ich es ja zukünftig auch einfach lassen.“

Markus meldet sich zu Wort: „Richtig, wir wissen nicht, wieviel das gekostet hat, denn Sie haben es uns nicht gesagt. Und wenn Sie uns vorher gefragt hätten, dann hätten wir sagen können, dass wir Abos haben, die erst einmal gekündigt werden müssten. Und wir hätten ihnen sagen können, dass wir kein Laufband brauchen, dafür aber gerne Hantelbanken und Crossfit-Elemente nutzen würden.“

Beide Parteien sind aufgebracht. Es herrscht eine unangenehme Stille. Letztendlich gehen alle auseinander und sind gefrustet. Es entsteht ein Graben, wo die Maßnahme eigentlich Mitarbeiter und Führung hätte näher zusammenbringen sollen.

Was wäre, wenn ...

Was wäre aber gewesen, wenn unser Unternehmer vorher eine Mitarbeiter-Umfrage zur Nutzung und Einrichtung des Fitnessstudios veranstaltet hätte? Was wäre, wenn die Mitarbeiter von vorne herein „ihr“ Fitnessstudio hätten mitgestalten dürfen?

Ich verrate es Ihnen gerne: Die Mitarbeiter hätten einen ganz anderen Bezug. Es wäre „ihres“. Sie hätten sich zu diesem Studio und der Nutzung bekannt. Sie würden es heute nutzen und wären dankbar. Und auf dem Weg dorthin wären Mitarbeiter und Führungskräfte fortwährend im Austausch gestanden. Hätten sich besser kennengelernt und den zeitlichen und monetären Aufwand respektiert und wertgeschätzt.

Fazit

Wer Entscheidungen alleine trifft, die andere Menschen betreffen, muss sich nicht wundern, wenn diese Entscheidungen von den Betreffenden nicht mitgetragen werden. In diesem Sinne: Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern, binden Sie sie ein. In persönlichen Zweiergesprächen, in Mitarbeiterversammlungen, über Ihre Mitarbeiter-App, in Whatsapp-Gruppen, durch Umfragen oder Lunch-Dates, mithilfe von internen Botschaftern oder anonymen Kummerboxen, …